Vending-Automaten haben sich längst als fester Bestandteil der modernen Verpflegung etabliert und bieten immer vielseitigere Möglichkeiten, Snacks und kleine Mahlzeiten flexibel verfügbar zu machen. Doch wie entwickelt sich das Geschäft mit Automaten weiter, insbesondere im Hinblick auf gesunde, nachhaltige und warme Verpflegungsoptionen? Aris Kaschefi, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft, teilt im Interview mit snackconnection spannende Einblicke in Trends, innovative Konzepte und Chancen für Gastronomen und Bäckereien, die in den Vending-Markt einsteigen oder ihr Angebot erweitern möchten.
Wie viele Vending-Automaten gibt es in Deutschland und für welche Bereiche?

Aris Kaschefi: Täglich werden in Deutschland rund 12 Millionen Einkäufe an Automaten getätigt. Dabei entscheiden sich etwa drei Viertel der Konsumenten für Kaffee, doch beeindruckende 1,1 Millionen Snacks und Food-Produkte werden ebenfalls über Automaten verkauft. Mit insgesamt knapp 621.000 Vending-Automaten in Deutschland dominiert der Kaffeesektor. Ein wesentlicher Bereich ist auch der Markt für Snack- und Kombiautomaten, die sowohl Snacks als auch Kaltgetränke anbieten und rund 93.000 Geräte ausmachen. Der Bereich „warme Snacks“ lässt sich schwer quantifizieren, da gekühlte Fertigmahlzeiten häufig über Automaten bezogen und in Mikrowellen erwärmt werden.
Wie entwickelt sich das Vending-Geschäft mit Snacks und kleinen Mahlzeiten?

Aris Kaschefi: Ein besonders dynamisches Segment ist der Markt für frische Produkte: Seit 2017 hat sich der Anteil an frischen Artikeln im Vending-Markt verdreifacht und ist in den letzten drei Jahren um 60% gewachsen – ein klares Zeichen für den steigenden Trend zu gesünderen und frischen Alternativen. Was hier aber auch interessant ist: Vending entwickelt sich immer mehr von der Zwischenverpflegung zur Hauptverpflegung. Immer mehr Caterer prüfen die Möglichkeiten vollwertige Mahlzeiten automatisiert zur Verfügung zu stellen, um auch personalintensive Servicedienstleistungen zu optimieren und kosteneffiziente Lösungen zu schaffen.
Welche konkreten Frischeprodukte sind bei Konsumenten am beliebtesten?

Aris Kaschefi: Das ist natürlich immer sehr abhängig vom Standort. Die Vendingstudie zeigt, dass im Bereich der Frischeprodukte Sandwiches und Wraps immer noch ganz vorne liegen – in der Produktion ist eines der beliebtesten Produkte das Rib-Hacksteak.
Welche Vending-Konzepte gibt es für veränderte Konsumgewohnheiten nach gesunder und nachhaltiger Ernährung?

Aris Kaschefi: Mit innovativen Konzepten wie Micro-Markets und 24/7-Stores ist es möglich, Konsumentinnen und Konsumenten rund um die Uhr Zugang zu frischen und gesunden Lebensmitteln zu bieten. Die modernen Vendinglösungen machen die Bestückung mit frischen Produkten und vollwertigen Gerichten möglich und damit kann den neuen Konsumgewohnheiten Rechnung getragen werden. Nachhaltigkeit wird aber auch in Konzepten wie zum Beispiel in Hofläden gelebt, wo regionale Waren dem Shopper angeboten werden und dieser die Waren über eine Selfscan-Kasse direkt auf dem Bauernhof kaufen kann. Ohne lange Lieferwege, direkt am Produktionsstandort – lokaler geht es fast nicht mehr. Und gerade regionaler und saisonaler Konsum ist ja ein wichtiger aktueller Trend.
Wie entwickelt sich das Vending-Geschäft in den einzelnen Segmenten? Wo liegen die größten Wachstumsraten und auch -potentiale?

Aris Kaschefi: Wir halten es für wahrscheinlich, dass in unseren aktuell größten Bereichen – Produktion und Büros – in den kommenden Jahren Rückgänge zu verzeichnen sein werden. In der Tat sehen wir viel Potential in anderen Bereichen. Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser wie Pflegeeinrichtungen sind als Aufstell-Locations stark im Kommen, auch Freizeiteinrichtungen werden für unsere Mitglieder zunehmen wichtiger. Und natürlich die Outdoor-Standorte und 24/7-Stores. Diese sind eine tolle Lösung für den Direktvertrieb, aber auch sicher eine gute Option, zum Beispiel auf dem Land die Versorgung mit Lebensmitteln oder Drogerieartikeln zu gewährleisten. Automaten überzeugen durch ihre robuste Bauweise und hohe Zuverlässigkeit. Ohne den Einsatz von Personal gewährleisten sie den kontinuierlichen Verkauf – ein klarer Vorteil, insbesondere für Tankstellen und Ladeparks, vor allem an Standorten ohne anderweitige Versorgung. Bis 2030 soll das öffentliche Netz an Ladestationen deutlich gestärkt werden – hier prognostizieren Studien zwischen 440.000 und 800.0000 öffentliche Ladepunkte. Die Branche zeigt sich dynamisch und bietet zahlreiche Chancen. Besonders interessant sind Synergien mit Caterern, sofern die Geschäftsmodelle harmonieren. Solche Partnerschaften können neue Vertriebskanäle schaffen und zusätzliche Zielgruppen erschließen. Wir sprechen immerhin von 17 Millionen Menschen in Deutschland die lt. DeHoGa die Gemeinschaftsgastronomie, zu der auch die Betriebsgastronomie zählt nutzen. Auch die Handelsgastronomie profitiert vom Vending. Die Branche sieht sich, wie viele andere auch, einer Herausforderung an Zielkonflikten gegenüber. Fachpersonalmangel und Kostendruck auf der einen Seite, die oben dargestellten veränderte Ansprüche an Qualität und Angebot seitens der Kunden auf der anderen Seite. Automatenlösungen können hier eine Antwort sein.
Welche neuen, innovative Automaten gibt es für die Gemeinschaftsverpflegung?

Aris Kaschefi: Moderne Automaten sind heute dank innovativer Ausgabelösungen in der Lage, eine deutlich erweiterte Angebotspalette bereitzustellen. Die Innovation liegt dabei weniger in der Technik selbst, sondern vielmehr in der Vielfalt und Flexibilität des Angebots, das nahezu grenzenlos gestaltet werden kann. Der Einsatz digitaler Zahlungssysteme und Apps, die Vorbestellungen ermöglichen und per QR-Scan einfaches Bezahlen mit dem Smartphone erlauben, sind wichtige Elemente. Solche Lösungen schaffen nicht nur Komfort, sondern auch Verbindlichkeit, die besonders bei der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung eine zentrale Rolle spielt. Ein entscheidender Faktor, den jede Gastronomie adressieren muss, ist die Reduzierung von Ausschuss. Hier bieten die genannten Apps entscheidende Vorteile: Funktionen wie Vorbestellungen schaffen Planbarkeit, und Künstliche Intelligenz (KI) liefert zusätzliche Unterstützung, indem sie Wetterdaten, betriebliche Geschlechterverteilung oder andere relevante Informationen analysiert. Dadurch können Produktsortimente optimal angepasst werden. Ein weiteres spannendes Element ist die Integration von Mikrowellenstationen in Automatenstationen, die das Aufwärmen von Speisen automatisiert ermöglichen. Zudem sind Pizzaautomaten und Geräte, die direkt warme Speisen ausgeben, bereits erfolgreich am Markt etabliert. Diese erweitern das Spektrum und eröffnen neue Möglichkeiten, insbesondere in Bereichen ohne klassische gastronomische Infrastruktur.
Welche Möglichkeiten bieten KI und Robotik in der Zukunft im Bereich Vending?

Aris Kaschefi: Wir sehen durchaus Potential für Künstliche Intelligenz bei uns im Vending. Sie wird sicher im Vertrieb – sowohl strategisch wie operativ – eine Rolle spielen, aber auch direkt am Gerät. Auf der letzten VendCon haben wir hier einige interessante Beispiele gesehen. KI kann helfen, bei frischen Lebensmitteln das Mindesthaltbarkeitsdatum im Blick zu haben und rechtzeitig einen Verkaufstopp zu initialisieren. Zudem erleichtert sie die Erfassung von Kundenverhalten und Produktpräferenzen zur Optimierung von Verkaufsstrategien. Aber auch in der Gemeinschaftsverpflegung kann KI zu einem wichtigen Tool werden – zum Beispiel bei der Ausarbeitung von Menüplänen und Angeboten.
Wie wichtig ist die Nachhaltigkeit bei der Verpackung von Frischeprodukten?

Aris Kaschefi: Verpackungshersteller arbeiten intensiv daran, den Kunststoffanteil in Verpackungen zu reduzieren, ohne Haltbarkeit und Handling negativ zu beeinflussen. Eine vielversprechende Lösung sind Mehrwegbehälter für Frischeprodukte, die mit einem Pfandsystem kombiniert werden können. Die Rückgabe erfolgt idealerweise über Automaten, wodurch ein effizienter Kreislauf geschaffen wird. Hier bieten sich auch Kooperationen mit Caterern an, bei denen die Ausgabe und Rücknahme durch die Vendingbranche übernommen werden können.
Wie können Gastronomen oder Bäckereien in den Vending-Markt einsteigen oder davon profitieren?

Aris Kaschefi: Der Einstieg in den Vendingmarkt ist grundsätzlich einfach, jedoch sollten vor dem Start einige Rahmenbedingungen geklärt werden. Dazu zählen Fragen wie: Welche Genehmigungen sind erforderlich? Steht der Automat Indoor oder Outdoor? Zudem muss das HACCP-Konzept an die Anforderungen des Automatenbetriebs angepasst werden. Auch bei der Automatenwahl ist Planung entscheidend: Das Sortiment sollte vorab festgelegt sein, um die Konfiguration der Spiralen oder Warenbänder optimal anpassen zu können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Service nach dem Kauf, der dauerhaft gewährleistet sein muss. Alternativ kann die Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern aus der Vendingbranche eine sinnvolle Lösung sein. Der BDV bietet zu diesem Thema umfassende Seminare an, die Neulingen das nötige Wissen und die Sicherheit vermitteln, um erfolgreich in den Markt einzusteigen.
Welche Trends zeichnen sich im Bereich vegane oder vegetarische Snacks im Vending-Segment ab?

Aris Kaschefi: Vegan und vegetarisch sind längst keine Nischen mehr – der Out-of-Home-Markt spürt den wachsenden Bedarf an pflanzenbasierten Alternativen deutlich. Für Vendingautomaten ist das begrenzte Platzangebot ein entscheidender Faktor, der eine gezielte Fokussierung auf Top-Seller und Ankermarken erfordert. Im Rahmen des Categorymanagements wurde die optimale Blockbildung von Waren und Getränken im Automaten analysiert. Dabei zeigt sich, dass erfahrene Automatenbetreiber den Anteil bestimmter Produktkategorien, wie etwa veganer Produkte, flexibel an den jeweiligen Aufstellplatz anpassen können. Diese strategische Sortimentsgestaltung ermöglicht es, das Angebot gezielt auf die Zielgruppe und deren Präferenzen abzustimmen. So können beispielsweise in Büros oder Fitnessstudios vegane Produkte einen höheren Anteil einnehmen, während an öffentlichen Verkehrsknotenpunkten Klassiker wie Snacks und Kaltgetränke dominieren. Diese datenbasierte Optimierung maximiert nicht nur den Umsatz, sondern sorgt auch für eine höhere Kundenzufriedenheit.
Und zum Abschluss: Was ist Ihr persönlicher Lieblingssnack?
Aris Kaschefi: Am liebsten sind mir salzige Cashewnüsse und Studentenfutter.
Über Aris Kaschefi

Seit 2011 ist Aris Kaschefi Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft e.V. (BDV). Dieser vertritt die Interessen von rund 400 Mitgliedsunternehmen politisch und fördert die Marktdurchdringung von Vending-Automaten im Out-of-Home-Markt, insbesondere im Office-Bereich, bei Direktvermarktern, in der Gastronomie und im Handel.





